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Internetrecht

Wikipedia als Download-Plattform

In ihrer gestrigen Ausgabe berichtete die Süddeutsche Zeitung über eine aus urheberrechtlichen Sicht interessante Entwicklung in Angola. Angola gehört zu einem der ärmsten Länder der Welt. Deshalb werden dort wie auch in anderen Entwicklungsländern von Internet-Unternehmen wie Facebook, Google oder der Wikimedia Foundation Gratis-Internetzugänge ermöglicht. Ob dies aus echter Hilfsbereitschaft oder nur aus wirtschaftlichem Kalkül heraus geschieht, sei einmal dahingestellt.

In Angola sollen jetzt jedenfalls Gratisinternetangebote der Wikimedia Foundation zweckentfremdet und für den (illegalen) Austausch urheberrechtlich geschützter Werke genutzt worden sein. Laut Süddeutscher Zeitung hatte die Wikimedia Foundation mit einem angolanischen Telekommunikationsprovider vereinbart, dass kostenlos auf die Wikipedia zugegriffen werden kann. Einige Nutzer von Wikipedia nutzten die Möglichkeit zur Editierung der Einträge aber offenbar, um urheberrechtlich geschützte Filme, Musikstücke und Videospiele auf die Server von der Wikimedia Foundation hoch zu laden, anstatt die Enzyklopädie mit ihren Beiträgen zu erweitern. Getarnt wurden diese Dateien als Texte und Bilder. Die Links zu diesen Inhalten wurden über geschlossene Facebook-Gruppen verbreitet, also so ähnlich, wie man dies vom ShareHosting über Plattformen wie RapidShare kennt. Auch die Nutzung von Facebook ist in Angola kostenlos. Durch diese Konstruktion wurden also urheberrechtlich geschützte Werke illegal verbreitet und waren völlig kostenlos abrufbar.

Ein Massenphänomen ist dies wohl eher nicht. Grundsätzlich wäre eine solche Verbreitung urheberrechtlich geschützter Werke auch in Deutschland möglich. Den dadurch verursachten Urheberrechtsverletzungen würde mit Abmahnungen seitens der Rechteinhaber begegnet, wie man dies vom Filesharing her kennt. Eine legale Form der Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke ist dies also zweifellos nicht.

Stand 5. April 2016

Rechtsanwalt Dr. Philipp Usadel LL.M.

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